Mathilde Roth

Mathilde Roth

Mathilde Roth, geb. Studzinski
Geburtsdatum 4.2.1889 in Witkowo
Todesdatum †17.11.1943 in Frankfurt, Ostendstraße 18 (Gedemütigt, entrechtet, Flucht in den Tod)

Frau Mathilde Roth, geb. Studzinski, wurde am *4.2.1889 als Tochter des Fleichers Hermann Studzinski (zuletzt wohnhaft in Berlin) und dessen Ehefrau Henriette, geb. Lewinski, (zuletzt wohnhaft in Konitz) in Witkowo, damalig Westpreußen, geboren. Sie gehörte der israelitischen Religionsgemeinschaft an.

Mathilde Studzinski heiratete im Alter von 24 Jahren am 19.04.1913 in Sossenheim (Hessen) den 33-jährigen Joseph Fridolin Roth.

Joseph Fridolin Roth wurde am 02.05.1879 als Sohn des Tagelöhners und späteren Fabrikarbeiters Damian Roth und dessen Ehefrau Brigitta, geb. Müller, in Höchst am Main geboren. Er gehörte der katholischen Religionsgemeinschaft an.

Zum Zeitpunkt der Eheschließung (1913) ging Joseph Fridolin Roth dem Beruf eines Schlossers nach. Das Ehepaar lebte in der Ludwigstraße 15. Der 1.Trauzeuge war der Fabrikarbeiter Damian Roth, der Vater von Joseph Fridolin Roth. Der 2.Trauzeuge war ein ehemals Fabrikarbeiter und damals (1913) Gastwirt.

In Rödelheim, in der Radilostrasse 15, in einem Geschäftsneubau des Schreinermeisters J.Kunz, eröffnete das Ehepaar die Gastwirtschaft "Zur Stadt Höchst". In keinem Adressbuch der Stadt Frankfurt findet sich ein Hinweis auf die Gastwirtschaft, weshalb davon ausgegangen werden muss, die Gastwirtschaft war nicht lange aktiv. 1914 mit Beginn des 1.Weltkriegs brachte die Kriegswirtschaft die Rationierung. Schon 1915 gab es Brot-, dann Lebensmittelmarken, Kleiderkarten sowie Marken für Kriegswurst. Da hatte niemand Geld fürs Gasthaus, besonders wenn es kein Alteingesessenes war.

Abbildung 1 Anzeige Eröffnung Pachtwirtschaft 01.11.1913 „Zur Stadt Höchst“ in Rödelheim, Radilostrasse 156

Seit 1933 lebte Mathilde Roth mit Joseph Roth in einer „unerwünschten Rassenmischehe“. Roth wurde als „jüdisch versippter“ Ehemann diskriminiert. Seit der 1. Verordnung des Reichsbürgergesetzes 1935 wurde er als sog. „Geltungsjude“ stigmatisiert, weil er bei Erlass des Gesetzes mit einer Jüdin verheiratet war. Der Freitod seiner Ehefrau ersparte ihm den Einsatz als kasernierter Zwangsarbeiter in Sonderkommandos.

Im Adressbuch der Stadt Frankfurt von 1939 ist Mathilde Roth mit ihrer Sossenheimer Anschrift in der Schaumburger Straße 19 aufgeführt. Mit dieser Anschrift war sie bei der Bezirksstelle Hessen/Hessen-Nassau der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland registriert. 


Arolsen Archiv-Nr. 10635 - Karteikarte 022923 Reichsvereinigung der Juden in Deutschland / Rückseite mit handschriftlichen Notizen 5.5.1943 neuerfasst, verstorben lt. Schreiben 7.12.1943 und "glaubeslos"

Arolsen Archiv-Nr. 10635 - Karteikarte/maschinenschriftliche Zählkarte 022925 Reichsvereinigung der Juden in Deutschland erwähnt die Angabe verstorben lt. Schreiben 7.12.1943 sowie Bemerkung "glaubenlos"

Die Hausfrau Mathilde (Sara) Roth verstarb am †17.11.1943 in der Ostendstraße 18. Wohnhaft gemeldet war sie zu diesem Zeitpunkt noch in der Schaumburger Straße 19 in Sossenheim. Laut Sterbeurkunde, die der Standesbeamte Reinhardt unter der Nummer 1926/V nach Angaben des Frankfurter jüdischen Büroangestellten Emil Israel Schott erstellt hat, litt sie an Grippe, Herzschwäche und Bauchwassersucht. Ihr Freitod wurde nicht erwähnt. Emil Israel Schott hatte sich durch seine Kennkarte ausgewiesen und mit seiner Unterschrift erklärt, von dem Tode aus eigener Wissenschaft unterrichtet zu sein. Auch enthält die Urkunde de Tag der Eheschließung in Sossenheim. Die 5 Fehler in der Sterbeurkunde sind: 1-3 falsche Todesursache, 4 falscher Geburtsname Studzinski und 5 falsche Schreibweise Vorname Josef.

Hessisches Hauptstaatarchiv Wiesbaden, Personenstandsregister/Sterberegister, Bestand 803, Signatur 11156, Urkunde 1926/V

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass noch eine weitere Sterbeurkunde 16.09.1947 unter der Nummer 1926/3 erstellt wurde. Sie enthält die geleichen 5 Fehler, ist aber von einem anderen Standesbeamten Altmann erstellt worden, der weder die Angabe des jüdischen Büroangestellten Emil Israel Schott noch den Beruf Hausfrau oder das Datum der Eheschließung erwähnt.