Sossenheimer Friedhöfe

Sossenheimer Friedhöfe

Dieser Artikel beschreibt die bis zu vier Friedhöfe in der Sossenheimer Geschichte:

- Pfarrfriedhof St. Nikolaus (1218-1707), später (1706-1883) in St.Michael Friedhof umbenannt
- Pestfriedhof Dottenfeld/Totenfeld - damals außerhalb des Ortes etwa 16. und 17. Jahrhundert
- Friedhof Siegener Straße (ab 1883)
- Friedhof Kurmainzer Straße (ab 1885)

Pfarrfriedhof St.Nikolaus / St. Michael

Der erste Sossenheimer Friedhof war der Pfarrfriedhof in der Michaelstraße 4-8, heute der Frühmessereiweg. Der Kirchhof/Kirchfriedhof war die Friedhofsanlage an der erstmals 1218 erwähnten St Nikolauskapelle. Auf den ersten drei handgezeichneten Karten von 1551-1575 ist die schiefergedeckte St. Nikolauskirche und das ummauerte Kirchhofgelände dargestellt. Damals und wahrscheinlich auch viel früher befand sich auf der eingefriedeten Fläche der Pfarrfriedhof. Denn im christlichen Mittelalter wurden die Toten entweder in einem Sarg oder Leichentuch bestattet. Kirche und Grab waren damals eine kultische Einheit. Es war der Wunsch der Christen in der Nähe der Kirche auf dem Kirchhof begraben zu sein. Schon früh kümmerten in der katholischen Kirche sich Elendenbruderschaften um die Versorgung und Beerdigung von Armen, Wohnsitz-


Blick vom "alten Friedhof" (Kirchhof) auf die klassizistische St. Michaelskirche

losen und Fremden wie die 1349 gegründete und heute noch bestehende Paderborner Elendenbruderschaft mit der Aufgabe: „arme Fremdlinge, besonders Pilger, zu unterstützen, ihnen in Krankheitsfällen beizustehen, bei Todfall für ihr Begräbnis zu sorgen und für ihre Seelenruhe zu beten“ Heute ist das Armenbegräbnis in § 74 SGB XII geregelt. Aus Sossenheim sind Bruderschaften aus dem 17. Jahrhundert und früher bekannt.
Eine starkverwitterte alte Tafel, ein kleines Kreuz ohne Korpus, ein Pfingstwunderstein als Grabstein, eine Pieta und ein weiterer Grabstein mit Inschrift geben heute Hinweis auf den alten Kirchhof von St. Michael. Ein von Familie Kinkel gestiftetes großes Kreuz war am Ausgang, das Kriegerdenkmal neben dem Kirchenausgang, auf der anderen Seite der Kirche steht das Grab des Soldaten J. Moos 1870. 1908 fand man unter den Trittsteinen beim „Anbringen der beiden Eingangstüren zwei Menschenschädel, die ungefähr 30 cm unter den Sandsteinen lagen. Dieselben wurden dort auf dem Friedhof wieder sorgfältig begraben.“


Pestfriedhof Dottenfeld/Totenfeld

Während der Pestepidemien 1347-1670 wurden die Toten häufig schnell und ohne Zeremonie meist weit außerhalb des Kirchhofs in Massengräbern bestattet. Nur wenige Pestfriedhöfe sind erhalten geblieben.
 
Der Sossenheimer Pestfriedhof Dottenfeld lag wegen der Seuchengefahr weit außerhalb vom Dorf und der Siedlung Breitenloch Richtung Rödelheim. Es gibt keine Spuren für diese damals angelegte Begräbnisstätte für die Pestleichen beider Siedlungen. Bekannt ist aber, dass 1635 bis 1666 und früher die Pest mehrfach in Frankfurt und Umgebung wütete.

Für die Vermutung des Sossenheimer Pestfriedhofs sprechen die am südlichen Ende der Gemarkung Breitenloch gelegenen Flurbezirke „Am Totenfeld“ – mundartlich Dottenfeld – und „Am Totenweg“ . Die Flur „Am Totenfeld“ liegt zwischen der A 661 und der A 5 in der Nähe des Westkreuz Frankfurt an der Grenze zu Rödelheim und an der ehemaligen Flur „Am Totenweg“. Diese beiden Flurnamen sind nach dem 30jährigen Krieg in verschiedenen Urkunden erhalten. Auch lernten die Schüler in der Volksschule lange Zeit vom Pestfriedhof Dottenfeld.

Nach der Flurbereinigung 1880 verschwand die Flur „Am Totenweg“ und nur die Flur „Am Totenfeld“ ist bis heute erhalten geblieben. Die Flur „Am Totenfeld“ liegt zwischen der A 661 und der A 5 in der Nähe des Westkreuz Frankfurt an der Grenze zu Rödelheim und an der ehemaligen Flur „Am Totenweg“.


Friedhof Siegener Straße

Nach der Schließung des ersten Sossenheimer Pfarrfriedhofs an der St Michaelskirche Wegen preußischer Hygienevorschriften, die Bestattungen aus Seuchengefahr innerhalb des Ortes verboten, wurde 1883 der Friedhof Siegener Straße gebaut und eröffnet. Die erste Bestattung, die auf diesem Friedhof stattfand, war die des Rekruten Peter J. Fay (*1843-†1870), der zum Militär nach Mainz einrückte und 1870 im Krieg gegen Frankreich verstorben ist. Und der erste Totengräber war Jacob Fay, der in seiner 25-jährigen Dienstzeit 1.499 Personen begraben hat.

Auf dem Friedhof gibt es Denkmalgeschütze Grabstätten für:
Juliane Kinkel, Pfarrer Johannes Thome, Pfarrer Leo Peter, Künstler Wilhelm Runze (mit Patenschaft des Kultur- und Förderkreises Sossenheim) Bürgermeister Jakob Kinkel V (mit Patenschaft des Heimat- und Geschichtsvereins Sossenheim).

Kriegsgräber:
Es befinden sich auf dem Friedhof, kurz vor der Trauerhalle zehn steinerne Kreuze von Veteranen aus dem Krieg 1870-71. Die Kriegsteilnehmer sind in ihrer Heimat verstorben und an einem gemeinsamen Platz beerdigt worden.
Weiter steht ein Kriegerdenkmal auf dem Friedhof und auf privaten Grabsteinen sind noch einige Erinnerungsinschriften für im 1. Weltkrieg und zahlreiche für im 2. Weltkrieg Gefallenen oder Vermissten Angehörigen. Fast alle Kriegsopfer wurden in den Ländern ihres Kriegseinsatzes beerdigt. Insgesamt zählt der Friedhof 110 Kriegsgräber.

Zwangsarbeiter-Gedenkstätte:
Für 130 auf dem Friedhof bestattete russische, polnische und litauische Zwangsarbeiter ist eine Gedenkstätte angebracht worden.