Familie Allfeld

Familie Allfeld

Dora Allfeld, geb. Adler
Geburtsdatum 6.4.1889
Todesdatum †2.7.1975 in New York

Walter Allfeld
Geburtsdatum 5.5.1894
Todesdatum † nicht bekannt

Hans Allfeld
Geburtsdatum 28.6.1921
Todesdatum † nicht bekannt

Der am 05.05.1894 in Sossenheim geborene Walter Allfeld war protestantisch und von Beruf Maschinenschlosser. Seine Eltern waren Johannes Allfeld und Pauline, geborene Blumenthal, Lindenscheidstraße 28. Johannes starb 1935. In der Trauer-Anzeige bedankte sich seine Mutter bei den barmherzigen Schwestern aus dem Mutterhaus Dernbach für die liebevolle häusliche Pflege, Dekan und Pastor Nell Ludwig Deitenbeck für die trostreichen Worte und Dr. Michel und den Mitarbeitern seiner Firma G. Schiele & Co, Maschinenfabrik und Eisengießerei für Ventilatoren und Lufttechnik Eschborn für das letzte Geleit.
Walter Allfeld war verheiratet mit der in Friedberg am 06.04.1889 geborenen Dora Allfeld, geborene Adler. Ihr Vater war Benjamin Adler, Metzger, und ihre Mutter Johanette Schiff. Ihre Schwester Hermine (Sara) Adler wanderte nach dem Verkauf ihres Hauses in Friedberg aus. Mit ihrem am 28.06.1921 in Höchst geborenen Sohn Hans Allfeld wohnte die Familie anfangs in der Kirchstraße 19 (nach Eingemeindung 1928 Michaelstraße). Walter Allfeld war unter seiner damaligen Anschrift Kirchstraße 19 im Wahlvorschlag Kandidat Nr. 6 der kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

Hans musste als Sohn einer Jüdin und eines Vaters, der neunmal wegen antifaschistischer Betätigung bis zu drei Wochen Schutzhaft verbüßte, 1938 die Oberschule verlassen. Sein Aufenthalt war in der Anstalt, der Höchster Leibniz-Schule (Gymnasium) untragbar geworden. Später zog die Familie in die Renneroder Straße 23, wie die Volkszählungsliste von 1939 dokumentiert. Seit 1939 mussten alle Juden auf einem Formblatt ihr Vermögen, ihre Schulden und ihre monatlichen Ausgaben für den Lebensunterhalt angeben. Darüber wurden die Judensicherungsakten (JS) angelegt, die bei der Devisenstelle der Landeszentralbank Frankfurt geführt wurden. Wegen Auszahlung von 213,25 Mark von ihrem Sparguthaben bei der Bezirkssparkasse Friedberg schrieb Frau Allfeld am 12.06.1940 an die Devisenstelle Darmstadt. Ihr jüdisches Vermögen war durch die Sicherungsanordnung vom 02.07.1940 unter Geschäftszeichen JS 21-657 bei der Devisenstelle hinterlegt. Zusätzlich schrieb sie am 08.07.1940, dass „das Geld sofort an ihren Ehemann geht, der kein Jude ist und mit dem sie in Gütergemeinschaft lebt.“ Daraufhin wurde am 13.07.1940 verfügt, dass sie mit Rücksicht auf ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse von der Sicherungsanordnung bis zu 200 Mark monatlich in bar erhalten darf.

Eine weitere Einschränkung war der Ausschluss Dora Allfeld als Trägerin des Davidsterns und als „Judenchrist“ vom evangelischen Gottesdienst. 

Seit 1943 war Dora Allfeld als Zwangsarbeiterin zur Fabrikarbeit verpflichtet, weil sie in einer „arisch-jüdischen Mischehe“ lebte. Sie arbeitete im Schichtdienst in zwei deutschen Betrieben. 1945 traf es Familie Allfeld besonders schwer. Die jüdische Mutter wurde im Rahmen der gnadenlosen Jagd der Frankfurter Gestapo auf die in „privilegierten Mischehen“ lebenden Juden am 17.01.1945 verhaftet und am 14.02.1945 ins KZ Theresienstadt deportiert. Dort war sie später in der Krankenstation.
Walter Allfeld und sein 24-jähriger Sohn Hans kamen ins Zwangsarbeiter-Lager Clausthal-Zellerfeld.
Alle wurden von den Alliierten befreit und nach Frankfurt zurückgebracht, Hans Allfeld am 17.04.1945. Dora Allfeld ist in der Rückkehrerliste Paris List 10534 B Theresienstadt 04.09.1945 und der Liste TEREZIN GHETTO aufgeführt. Sie wohnten erst in der Treburer Straße 25, dann in der Kurmainzer Straße 93.

Am 21.02.1947 wanderten die Eltern Allfeld mit der SS Marine Marlin von Bremen nach New York/USA aus. Dies dokumentieren die Registrierungskarte, das Gesundheitszeugnis und die Passagierliste mit Dora, Ticketnummer 72052 und Visanummer 20585 sowie Walter, Ticketnummer 72053 und Visanummer 20849 sowie sämtlichen Personalangaben wie Name, Vorname, Alter, Staatsangehörigkeit und dem Ziel in den USA. Das Schiff Marlin war ein in Vancouver 1945 gebauter Truppentransporter für 3.485 Mann. Es wurde 1946 für 926 Passagiere umgerüstet, um Migranten in die USA zu bringen. Der 26-jährige Sohn Hans fuhr auf der SS Marine Perch nach New York. Als Anschrift haben alle 209 W 97th Str. New York angegeben.

Die Devisenstelle der Landeszentralbank Frankfurt hat das Vermögen der deutschen Jüdin Dora (Sara) Allfeld mit Geburtsdatum, Heimatort Frankfurt-Sossenheim, Renneroder Straße 23, im Inventarverzeichnis unter JS 657 mit Angaben zu ihrem arischen Ehemann und dem Sohn als Mischling registriert. Bei Arolsen Archives trägt das Dokument die Signatur 02010101 oS.
Aufgrund des beschlagnahmten Vermögens von Dora Sara Allfeld stellten sowohl das Ehepaar Allfeld am 03.07.1950 aus New York (Aktenzeichen Entschädigungsakte I 6 3 w 04 – Ausl. Reg NR 19434) als auch Sohn Hans (Entschädigungsakte F 6 3 w 04 – Ausl.) Antrag auf Entschädigung als Verfolgte aus rassischen Gründen.


Dabei gaben sie Sossenheim als ihren letzten Wohnsitz am 01.01.1947 an, wo sie von 1920 bis 1947 gemeldet waren. Entschädigungsbehörde war das Regierungspräsidium Wiesbaden. 17 Jahre zog sich das Verfahren vor der 6. Zivilkammer des Landgerichts Wiesbaden hin. Mehr als zehn ärztliche Fachgutachten wurden erstellt. Feststellung 100-prozentiger Erwerbsminderung, Anspruch auf Kapitalentschädigung und Altersmindestrente sind dem Bescheid Verzeichnis zu entnehmen. Als Verfolgte wurde Dora Allfelds Anspruch auf Heilbehandlung 1964 bestätigt und 1965 die Rente nachgezahlt. 1975 starb Dora Allfeld im Alter von 86 Jahren im Queens General Hospital, New York.

Drei Stolpersteine 05.09.2021 für Dora, Walter und Hans Allfeld, Renneroder Straße 23, 65936 Frankfurt-Sossenheim

Die Stolpersteine wurden initiiert von Heinz Hupfer. Finanziert hat die Stolpersteine der Heimat- und Geschichtsverein Sossenheim, durch die Spender der Sossenheimer Initiative "Folk for Benefiz".